Ulrico Hoepli (1847–1935)


Ulrico Hoepli gehört zu den aussergewöhnlichen Persönlichkeiten des 19. und 20. Jahrhunderts. Der 24-jährige Thurgauer übernahm 1871 in Mailand eine verschlafene Buchhandlung und machte sie zu einem blühenden Unternehmen. Vor allem aber war Hoepli Verleger. In den 65 Jahren seines verlegerischen Wirkens edierte er rund 7000 Werke. Als eine geniale Idee erwiesen sich die «Manuali Hoepli», praxisbezogene Handbücher über die verschiedensten Wissensgebiete, die wie kein anderer Bereich des Unternehmens mit dem Namen Hoepli verbunden sind. Daneben verdanken wir Hoepli Kostbarkeiten wie den Codice Atlantico von Leonardo da Vinci, ein buchtechnisches und künstlerisches Meisterwerk. Als Antiquar lockte Hoepli Sammler und Händler aus der ganzen Welt an und führte glanzvolle Auktionen durch. Hoeplis Wirken als bedeutender Mäzen bezeugen bis heute das Planetarium in Mailand und die Ulrico Hoepli-Stiftung in Zürich.

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  • Geburtshaus von Ulrico Hoepli, Tuttwil, 1997.
  • Villino Hoepli, Mailand.
  • Gedenktafel für Ulrico Hoepli in Tuttwil, 1934.
  • Elisa Hoepli-Häberlin, ca. 23jährig, um 1872 (Öl auf Leinwand).


Chronologie

1847  |  Geburt in Tuttwil am 18. Februar.

1862 | Vierjährige Lehre der Buchmacherei in der Buchhandlung des Lehrmeisters Jakob Schabelitz in Zürich. Im Verlauf der Lehrzeit wurde die Buchhandlung von Cäsar Schmidt übernommen.

1867  |  Wanderschaft als Buchhändler mit Stationen in Mainz, Triest, Kairo und Breslau (bis 1870).

1871  |  Übernahme der Buchhandlung von Teodoro Laengner in Mailand und Gründung des Verlags Hoepli.

1872  |  Heirat mit Elisa Häberlin von Zürich-Seebach.

1875  |  Veröffentlichung des «Manuale del tintore» von R. Lepetit. Mit diesem Titel starteten die «Manuali Hoepli». Bis 1935 edierte Ulrico Hoepli 2000 Titel in dieser Reihe, womit die «Manuali Hoepli» zu den grössten Enzyklopädien der Welt zählten. Kaum ein Wissensgebiet, in das die «Manuali» nicht vorstiessen. 


1885 |  Buchhändler und Verleger des italienischen königlichen Hofes.

1897 |  Der Verlag Hoepli ediert in diesem Jahr 157 Titel. Eine danach nie mehr erreichte Zahl. Dieses Ereignis fällt in die eigentliche Blütezeit des Verlages – 1890 bis 1914 edierte Hoepli jährlich rund 132 Werke.

1901 |  Dr. h.c. der Universität Zürich.

1911 |  Gründung der Ulrico Hoepli-Stiftung. Gehört bis heute zu den bedeutenden Kulturstiftungen der Schweiz.

1930 |  Einweihung des Planetariums in Mailand – ein Millionengeschenk von Hoepli.

1935 |  Tod in Mailand am 24. Januar. Anlässlich seines 88. Geburtstages am 18. Februar hätte auch die Ernennung zum Ehrenbürger von Mailand in der Villino Hoepli gefeiert werden sollen. Damit kam Hoepli diese Auszeichnung erst posthum zuteil. Buchhandlung und Verlag werden heute an der Via Hoepli 5 in Mailand weitergeführt.




Weitere Ausführungen zu Leben und Werk von Ulrico Hoepli enthält die folgende Publikation mit Beiträgen von über 20 renommierten Autorinnen und Autoren (in Deutsch und Italienisch):


Jung, Joseph (Hrsg.): 
«… am literarischen Webstuhl …». Ulrico Hoepli 1847–1935.
Buchhändler, Verleger, Antiquar, Mäzen
Zürich 1997, 374 Seiten (Verlag NZZ). 


Mit Beiträgen von Ottavio Besomi, Niklaus Bigler, Hans E. Braun,
Bernard H. Breslauer, Hugo Bütler, Iso Camartin, Alfred Cattani,
Flavio Cotti, Enrico Decleva, Urs Frauchiger, Christine M. Grafinger,
Herbert Heckmann, Hanno Helbling, Gottlieb F. Höpli, Ursula Pia Jauch, Joseph Jung, Dino Larese, Martin Meyer, Peter Ochsenbein,
Werner Oechslin, Michelangelo Picone, Judith Raeber, Heribert Tenschert, Conrad Ulrich, Anton von Euw, Werner G. Zimmermann.